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 Wenn der Headhunter anruft

  Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. November 2010


 

Ein Anruf, der die berufliche Karriere verändern kann: Meldet sich ein Headhunter, könnte es um eine Führungsposition gehen.

 

Wer sich beruflich verändern will, geht üblicherweise gezielt auf Stellensuche. Doch manchmal kommt das Angebot für einen neuen Job unverhofft. Wenn Headhunter sich für eine Firma auf die Suche nach einem neuen Arbeitnehmer machen, kommt ein Anruf häufig überraschend. Die Frage ist, wie man am besten mit der Offerte umgeht.

 

Der Kontakt zu Headhuntern könne auf zwei unterschiedlichen Wegen zustande kommen, weiß Dirk Schauss Karriereberater in Frankfurt. Zum einen kann der Headhunter selbst auf jemanden aufmerksam werden, zum anderen kann sich ein Bewerber überlegen, wie er die Aufmerksamkeit eines Headhunters auf sich zieht.

 

Eine geeignete Form für Letzteres ist das Nutzen von Netzwerkplattformen wie beispielsweise Xing. Auch wer sich bei Jobbörsen registrieren lässt, erregt eventuell die Aufmerksamkeit. Schauss verdeutlicht, dass es nicht ganz einfach sei, das Interesse gezielt auf sich zu lenken. Dies liege nicht zuletzt daran, dass viele Headhunter ihre Arbeit erst aufnähmen, wenn es um Führungspositionen und Stellen auf höheren Ebenen ginge. Fachexperten würden auf diese Weise seltener gesucht.

 

Signalisiert der Headhunter von sich aus Interesse, gilt es zunächst, sich Gedanken darüber zu machen, ob man für Veränderungen bereit ist. Schauss empfiehlt, nicht zu sorglos und offenherzig mit dem Gesprächspartner umzugehen. Stattdessen sollte man sich fragen, ob der Headhunter auch das Vertrauen verdient. Schließlich ist er nicht der spätere Arbeitgeber, insofern sind kritische Fragen erlaubt und sollten in jedem Falle gestellt werden. Wie arbeitet der Headhunter? Was macht er anders als andere?

 

Nicht alles Pulver verschießen

 

Bereits beim Erstkontakt sollte man möglichst viel über die angebotene Stelle herausfinden, da der Auftraggeber in den meisten Fällen zunächst nicht genannt wird. Über Fragen nach dem Produkt- und Branchenschwerpunkt des Unternehmens, der Mitarbeiterzahl und anderen Parametern lässt sich einiges über den potenziellen neuen Job erfahren. Wessen Interesse geweckt ist, sollte schnell auf einen aktiven Modus umschalten. „Man sollte sich nicht in die Rolle des Antwortgebers drängen lassen“, sagt Schauss.

 

Kommt es zum telefonischen Interview mit dem Headhunter, präsentiert man sich am besten kurz und knapp mit den wesentlichen Daten seines Lebenslaufes. Der Angerufene sollte aber nicht gleich alles von sich preisgegeben. „Wenn ich den Infokanal maximal geöffnet habe, besteht die Gefahr, das Pulver vorschnell zu verschießen. Einige Informationen sollte man noch in der Hinterhand behalten“, sagt Schauss. Der Headhunter ist ein Treuhänder und nicht die eigentliche Zielperson, er sollte den Bedarf seines Auftraggebers näher erläutern.

 

 

Während eines Interviews besteht die Kunst darin, möglichst frei und natürlich zu klingen und das Gesagte nicht einstudiert wirken zu lassen. Einen 100-prozentigen Schutz, dass eigene Bemühungen oder das Angesprochen-Werden dem derzeitigen Arbeitgeber verborgen bleiben, gibt es nicht, sagt Schauss. Telefonate können auch außerhalb des Büros geführt werden. Bekommt der Arbeitgeber dennoch Wind von den Gesprächen mit dem Headhunter, kann man ihm gegenüber argumentieren, nicht zwangsläufig das Unternehmen verlassen zu wollen, sondern lediglich seinen Marktwert zu testen.

Bettina Jaeschke